Der Verkehrslärm war echt störend – teilweise hatte man heute Nacht das Gefühl, der Verkehr führt direkt durch's Zimmer. Aber auch diese Nacht geht vorbei und morgens scheint die Sonne von einem wolkenlosen, blauen Himmel. Wir packen zusammen und fahren los. Es geht auf breiten Straßen zügig bis Kromeriz. Jetzt verlassen wir die gut ausgebauten Straßen und fahren auf kleinen Straßen durch eine von Ackerbau geprägte hügelige Gegend. Kleine Dörfer, mit roten Mohnblüten gesäumte Felder, ab und zu ein Flusslauf oder Teich, eine ruhige Gegend, die Margitta an das Bild 'Frauen im Kornfeld' von Monet erinnert.
So geht es bis Ivanovice na Hane. Dann versagt mein Orientierungssinn etwas und wir fahren eine weite Schleife über Bodek u Prostejova und Pustimer bis wir Vyskov erreichen. Trotz zahlreicher Baustellen finde ich den richtigen Ausgang aus der Stadt. Am Stadtrand ist Margitta es aber satt, sie braucht um 12:00 Uhr ein erstes kleines Frühstück. Das Lokal, was ich ausfindig mache entpuppt sich als kleiner Supermarkt, kurz vor Ladenschluss. Das ist Margitta jetzt (fast) egal, rein, etwas zu beißen einkaufen, nach zwei Bananen geht es wieder besser und wir dürfen weiterfahren.
Kurz vor Studenice sehe ich in einem Wald eine schöne Stelle, wir halten an und machen 'richtige' Frühstückspause. Als Sitzplätze dienen meine Alukoffer. Dann geht es weiter in Richtung Sloup zur Macocha – Schlucht. Die Entstehung ist dem Zusammenbruch eines großen Höhlendoms durch tektonische Bewegungen zu verdanken. Diese besichtigen wir zunächst von oben, sehr schön. Weil es Sonntag ist, treffen sich eine Menge Menschen hier. Die Motorradkluft wird gegen luftige Freizeitbekleidung ausgewechselt. Wir versuchen, mal eben zu Fuß in die Schlucht abzusteigen, aber das geht leider nicht.
Da es uns hier gut gefällt, ändern wir den Plan, nach Brünn zu fahren, Wir suchen uns eine schöne Unterkunft, das Hotel Skalni Mlyn an der Katarinska – Höhle bei Vilemovice, und beschließen, morgen die Punkevni-Höhle und die Macocha – Schlucht (von unten) zu besichtigen, bevor wir in die Stadt Brünn fahren. Dann schauen wir uns noch die Katarinska – Höhle an. Es ist eine von vier Höhlen des Mährischen Karstes, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Wir bekommen quasi eine Privatführung, nur wir zwei und der Guide, der leider kein Deutsch spricht. Ddafür zum Beweis der erstklassigen Akustik des großen Doms der Höhle (96m x 36m x 20m) aber ein Stück von Verdis „Nabucco“, den Gefangenenchor aus den Lautsprechern vorführt. Margitta ist von der Stelle, an der der Chor ziemlich laut wird, ganz begeistert. Ich hätte mir lieber Metallica oder Nosferatu gewünscht. Unglaublich, was die Natur so schafft, wenn Zeit keine Rolle spielt. Nach der Legende hat man die Entdeckung der Höhle dem Verschwinden eines Schafes aus der Herde zu verdanken: Das Hirtenmächen Katharine suchte eben dieses eine Schaf, fand die Höhle, kein Schaf, dafür den Tod. Eine Formation der Tropfsteine hat auch die Form eines liegenden Schafes. 1909 wurde der zweite, kleinere Dom der Höhle entdeckt. Der Forscher kam bei einem Einsturz der Höhlendecke ums Leben.